Grundlagen
Komplexe Zahlen
Realteil, Imaginärteil und Betrag — die mathematische Grundlage für zweidimensionale Signale.
Komplexe Zahlen sind eine Erweiterung der bekannten reellen Zahlen. Sie bestehen aus zwei Teilen: einem Realteil und einem Imaginärteil. In der kartesischen Form werden sie dargestellt als:
$$z = x + j \cdot y$$
Dabei ist $x$ der Realteil und $y$ der Imaginärteil. Die imaginäre Einheit wird in der Elektrotechnik und Signalverarbeitung als $j$ bezeichnet (um Verwechslungen mit dem elektrischen Strom $i$ zu vermeiden) und ist definiert über:
$$j^2 = -1$$
Die Wurzel aus einer negativen Zahl ist im reellen Zahlenraum nicht definiert. Durch die Einführung von $j$ wird diese Berechnung möglich.
Eine komplexe Zahl lässt sich hervorragend in einem zweidimensionalen Koordinatensystem veranschaulichen – der komplexen Zahlenebene (auch Gaußsche Zahlenebene genannt). Dabei bildet der Realteil $x$ die horizontale Achse (Realachse) und der Imaginärteil $y$ die vertikale Achse (Imaginärachse).
Der Punkt $z(x, y)$ kann somit auch als Zeiger (Vektor) interpretiert werden, der vom Ursprung $(0,0)$ zu diesem Punkt zeigt. Die Länge dieses Vektors entspricht dem Betrag (der Magnitude) der komplexen Zahl:
$$|z| = \sqrt[2]{x^2 + y^2}$$
Komplexe Zahlen werden in der Technik verwendet, um Größen zu beschreiben, die eine Phasenverschiebung oder zweidimensionale Eigenschaften aufweisen – wie beispielsweise Wechselstrom und Signale im Frequenzbereich (Frequenzdomäne). Sie ermöglichen die elegante, gleichzeitige Berechnung von Amplitude und Phase.
Mathematische Grundoperationen
Digitale Signalprozessoren und SDR-Blöcke führen permanent mathematische Transformationen mit diesen komplexen Wertepaaren durch. Die wichtigsten Rechenregeln für zwei komplexe Zahlen $z_1 = x_1 + j\cdot y_1$ und $z_2 = x_2 + j\cdot y_2$ im Überblick:
| Operation | Mathematische Formel | Signaltechnische Bedeutung |
|---|---|---|
| Addition | $z_1 + z_2 = (x_1 + x_2) + j\cdot(y_1 + y_2)$ | Überlagerung/Mischung von Signalen |
| Subtraktion | $z_1 - z_2 = (x_1 - x_2) + j\cdot(y_1 - y_2)$ | Differenzbildung / Auslöschung |
| Multiplikation | $z_1 \cdot z_2 = (x_1 x_2 - y_1 y_2) + j\cdot(x_1 y_2 + x_2 y_1)$ | Frequenzmischung: Die Beträge multiplizieren sich ($M_{neu} = M_1 \cdot M_2$), die Phasen addieren sich ($\phi_{neu} = \phi_1 + \phi_2$). |
| Division | $\frac{z_1}{z_2} = \dots$ | Die Beträge dividieren sich ($\frac{M_1}{M_2}$), die Phasen subtrahieren sich ($\phi_1 - \phi_2$). |
| Betrag (Magnitude) | $|z| = \sqrt{x^2 + y^2}$ | Liefert die momentane Signalstärke (Hüllkurve). |
| Phase (Argument) | $\phi = \operatorname{arctan2}(y, x)$ | Liefert die aktuelle Phasenlage des Signals. |
| Rücktransformation | $x = |z| \cdot \cos(\phi)$ und $y = |z| \cdot \sin(\phi)$ | Umrechnung von Polar- in Kartesische Koordinaten. |
