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Frequenzregelung (AFC)
Das Grobvisier des SDR-Empfängers — die Automatic Frequency Control bringt das Signal überhaupt erst ins Zentrum des Filters.
Die Automatic Frequency Control (AFC) ist das „Grobvisier" deines SDR-Empfängers. Während eine PLL (Phase Locked Loop) versucht, die Phase exakt zu treffen, sorgt die AFC dafür, dass das Signal überhaupt erst einmal im Zentrum deines Filters landet. Ohne eine funktionierende AFC würde ein Signal durch Temperaturdrift oder den Doppler-Effekt langsam aus dem Empfangsbereich „wandern".
Der mathematische Regelkreis
Das Prinzip der AFC lässt sich mathematisch einfach beschreiben. Wir messen die Frequenz des empfangenen Signals (f_{rx}) und vergleichen sie mit unserer gewünschten Referenzfrequenz (f_{ref}). Die Differenz ist unser Fehlerwert:
Δf = f_rx - f_ref
Δf = f_rx - f_ref
Dieser Fehlerwert Δf wird in einen Regler eingespeist. Der Regler berechnet daraus einen Korrekturwert u, um die Empfängerfrequenz anzupassen:
f_rx_neu = f_rx + u
f_rx_neu = f_rx + u
Wie u aus Δf berechnet wird, entscheidet über das Verhalten der Regelschleife:
u = K · Δf (reiner Proportionalregler)
u = K_p · Δf + K_i · Σ Δf (PI-Regler)
u = K · Δf (reiner Proportionalregler)
u = K_p · Δf + K_i · Σ Δf (PI-Regler)
Ein reiner P-Regler korrigiert nie ganz vollständig — es bleibt eine kleine, bleibende Regelabweichung stehen, solange Δf ≠ 0 einen Korrekturwert erzeugt. Der Integralanteil (K_i · Σ Δf) summiert die Fehlerwerte über die Zeit auf und gleicht diese bleibende Abweichung vollständig aus.
Abgrenzung zur PLL
Der Kernunterschied zwischen AFC und PLL liegt nicht nur in der Präzision, sondern in der Regelstruktur: Eine PLL ist ein kontinuierlicher, sample-für-sample arbeitender Regelkreis (siehe Trägerrekonstruktion). Eine AFC arbeitet dagegen oft in diskreten, periodischen Schritten — sie misst über ein Zeitfenster, berechnet einmalig eine Korrektur und wartet dann bis zur nächsten Messung. Im DDK9-Beispiel etwa erfolgt die Frequenzmessung über ein 5-Sekunden-Fenster, die Korrektur wird als einzelne Nachricht an den Mischer geschickt (Message-Port-Architektur), statt kontinuierlich wie bei einer PLL nachzuregeln.
Gängige Algorithmen zur Frequenzschätzung
Je nach Rechenleistung und Signalart kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:
| Verfahren | Kurzbeschreibung | Auflösungsgrenze | Vorteil |
|---|---|---|---|
| Zähler | Zählt Schwingungen pro Zeitintervall. | 1 / Messfenster |
Sehr einfach umzusetzen. |
| Frequenzdiskriminator | Wandelt Frequenzabweichung direkt in Spannung um. | abhängig von der Diskriminatorkennlinie | Schnell und analog-ähnlich. |
| FFT (Fourier) | Sucht den Peak mit der höchsten Amplitude im Spektrum. | f_s / N (Abtastrate / FFT-Länge) |
Ideal für SDR-Visualisierungen. |
| PLL | Rastet auf die Phase ein und zieht die Frequenz mit. | abhängig von Loop-Bandbreite | Höchste Präzision (Phase-Lock). |
| Kalman-Filter | Statistischer Schätzer für verrauschte Signale. | abhängig vom Rausch-/Prozessmodell | Extrem robust bei schlechtem SNR. |